Brummer kommt vom Rosinenbomber
Wiesbadener Tagblatt vom 16.01.2010
JUBILÄUM Erbenheimer Fassenachter haben ihren Namen
dem damaligen Oberbürgermeister Redlhammer zu verdanken
Das Jahr 1950 war ein hervorragendes Jahr, was
die Gründung von Wiesbadener Fastnachtsvereine anbelangt. Die Spielbank
lockte schon wieder an den Roulette-Tisch. In Wiesbaden regierte
Oberbürgermeister Hans-Heinrich Redlhammer. Nicht nur in der närrischen
Szene war Nachholbedarf an Freude, Frohsinn und Geselligkeit groß,
sondern auch bei Sängern und Sportlern.
Überall keimten närrische Aktivitäten, so auch bei der Erbenheimer
Harmonie mit Chor, Narrengilde und dem "Pepita Trio". Emil Germann war
einer der Sänger. Er war auch der Initiator, der mit dem Trio und der
Narrengilde bei den Dotzheimer Tonika-Sangesbrüder auftrat. Jener Abend
war ausschlaggebend, denn "was die Dotzemer könne, das können mir doch
aach", dachten sich die Erbenheimer.
Am Abend des 7. Februars 1950 wurde im Café Hafer eine eigene
Narrenzunft ins Leben gerufen. Zufällig fand auch der
Harmonie-Kappenabend statt, wobei Oberbürgermeister Redlhammer die
Erbenheimer humorig als "Brummer" bezeichnete, wegen der ständig mit
Gebrumm startenden und landenden Rosinenbombern von der Erbenheimer Air
Base. Der Name war geboren, allerdings nicht mit einem Flieger als
Symbol, sondern einer lieblich-trächtigen Biene mit einem Stachel, der
so manche Mißstände anpiekst, was bis heute so geblieben ist.
Am 19. März 1950 fand die Gründung mit 44 Mitgliedern statt, und zum
ersten Vorsitzenden wurde Willi Heuss gewählt, der auch der allererste
Dacho-Vorsitzende war. Sein Nachfolger hieß Emil Germann, eine
"Lichtgestalt" für lange Jahre. Es folgte eine Teilnahme am
Fastnachtszug und die erste Kappensitzung. Noch heute ist einigen in
Erinnerung, und das wurde in den Anekdoten immer wieder berichtet, dass
die Brummer die närrische Rostra zum ersten Mal als Narren-Babys
betraten. Der Lacher schlechthin.
Der Verein stieg die Erfolgleiter hoch und runter. Je schwerer die
Zeiten, desto bemerkenswerter die Episoden: "Mitleid bekommt man
geschenkt, Neid muss man sich erarbeiten!" Viele Größen der heimischen
Fastnacht traten während der zurückliegenden Jahre auf. Eigengewächse
waren im eigenen wie auch in anderen Vereinen richtige Stars und sehr
gefragt. Es wurde im Erbenheimer Bürgerhaus gefeiert und seit 1954 sind
sie Sitzungen der Erbenheimer Brummer im Kurhaus sehr gefragt.
Der Name German verspricht Einsatz, Qualität, Menschlichkeit und wird in
der zweiten Generation vom Vater in die "Brummer-Familie"
weitergetragen. Thomas German war jahrelang Sitzungspräsident und leitet
heute mit Thomas März und Dr. Karl-Heinz Emig die Programmkommission.
Günter Germann verbreitete als "Harlekin" närrische und aktuelle
Weisheiten.
Der heutige Vorsitzenden Dieter Scheidecke weiß naturgemäß so manche
Episode zu erzählen. Er trat 1983 dem Verein bei, 2001 wurde er zum
Zweiten Vorsitzenden und 2004 zum Vorsitzenden gewählt. "Innerhalb des
Vereins sind viele Freundschaften untereinander entstanden. Viele
verreisen sogar gemeinsam. Wir haben uns eine Spitzenstellung in
Wiesbaden erarbeitet, was nicht immer leicht war. Ich habe ganz
besonderen Spaß an der Fastnacht, mit netten Menschen, die mir im Verein
zur Seite stehen, gesellige Stunden verbringen, und stolz bin ich auf
die gute Zusammenarbeit, jeder der rund 230 Mitglieder, auch der
Nachwuchs, kennt seine Aufgaben. Auch unsere Frauen sind aus dem Verein
nicht mehr wegzudenken, sie sind eine große Stütze, wie unter anderen
meine Frau Sigrid und meine Tochter Nicole. Stolz sind wir Mitglieder
auch auf unsere närrische Residenz, das Hotel Nassauer Hof mit seiner
traditionellen Eleganz. Der Verein ist heute in trockenen Tüchern und
steht auf einer guten finanziellen Basis," berichtet Dieter Scheidecker.
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